Industrial Design
Was macht man da eigentlich?
Diese Frage mir begegnet mir häufig. Und die Existenz der Frage allein klärt vielleicht, weshalb Industriedesign bisher nicht in der Software-Entwicklung angekommen ist. Dabei ist der ganzheitliche Designansatz, den wir im klassischen Produktdesign finden, auch hier mehr als hilfreich. Also breche ich mal eine Lanze für uns Industriedesigner und umreiße, was wir können. Was wir tun. Und wo und wie man uns einsetzen sollte!
Wir machen es nicht nur hübsch. Wir machen es richtig.

Die ganzheitliche Sichtweise
Industriedesign lehrt die ganzheitliche Sichtweise aus der Metaperspektive. Es gilt, sämtliche in einen Produktentwicklungszyklus eingebetteten Fachrichtungen zu integrieren und mitzudenken. Damit das gelingen kann, muss sich der Designer in jede mögliche Perspektive hineindenken können, muss lernen, die jeweilige Fachsprache zu verstehen und in andere Fachbereiche zu übersetzen. Er muss alles können! Aber nichts richtig… 😉 Was uns gerade dazu befähigt, ohne Scheu die richtigen Fragen zu stellen.
Generalist, Autodidakt, Dolmetscher zwischen Fachsprachen unterschiedlichster Richtungen… Kurz: Brückenbauer zwischen den Welten.
Als Industriedesignerin bin ich niemals fertig mit dem Lernen. Das Lernen, das Gelernte anwenden und umsetzen, gehört zu meinen Hauptaufgaben. Das Studium war breit gefächert und deckt längst nicht alle Bereiche ab, die mir seither in der Praxis begegneten, hat uns aber die wichtigsten Grundlagen mitgegeben und uns dazu befähigt, uns selbstständig überall hineinzuarbeiten und ständig neue Sichtweisen einzunehmen. Zur Grundausbildung gehörten:
Elementare Grundlehre
- Farbe / Oberfläche
- Komposition
- Zeichnen / Skizzieren
- Visuelle Kommunikation
Technologie
- Mediale Systeme
- CAD / Rapid Prototyping
- Technologie
Design / Bezugswissenschaften
- Mediengeschichte
- Kultur- / Designgeschichte
- Semantik
- Ergonomie
Grundlagen der Gestaltung
- Darstellungstechniken
- Kreativitätstechniken
- Product Design
- Modellbau
- Interaction Design
Wirtschaft / Kommunikation
- Business Start
- Designmanagement
- Marketing
- Englisch
Projekte
- Gebrauchsgüterdesign
- Interaction Design
- Kurzprojekt
- Praxisphase
Warum das für Product Owner relevant ist:
Digitale Produktentwicklung ist komplex. Business-Ziele, technische Machbarkeit und Nutzerbedürfnisse müssen zusammenpassen. Genau hier kommt Industrial Design ins Spiel. Was in der physischen Produktentwicklung selbstverständlich ist, fehlt oft in der Software-Entwicklung. Industriedesigner bringen diese Perspektive mit.
Du bist der Experte für deine Branche, dein Produkt, deine Stakeholder und Teams. Ich bin die Sparringspartnerin, die dir hilft, diese Perspektiven zusammenzudenken, zu visualisieren und auf den Punkt zu bringen.
So arbeiten Industriedesigner im Allgemeinen und ich im Speziellen – Einblick in ausgewählte Semesterprojekte:
Zusätzlich zu den oben genannten Vorlesungen gehörte am Anfang eines jeden Semesters ein Kurzprojekt. Die Auswahl der Themen war vielfältig und jeweils von einem Professor oder Professorin 1:1 betreut. Hier durften wir uns in voller Länge und Breite mit allem austoben, was wir bis dahin gelernt hatten und den Produktentwicklungszyklus von der Recherche über Idee, Konzeption, Gestaltung, Prototyping durchlaufen.
Den Abschluss bildete jeweils eine öffentliche Präsentation unserer Projekte. Öffentlich bedeutet hier, dass im mindesten die Kommilitonen aller Jahrgänge , Dozenten und Professoren anwesend waren. Aber auch Besucher waren eingeladen und willkommen. So durften wir lernen, unsere Ergebnisse und Arbeitsweise vor größerem Publikum selbstbewusst zu präsentieren.
Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Industriedesign der Hochschule Magdeburg-Stendal [2007 – 2013] | Ramona Gläser

time.Cut
Im Zeichen der Zeit
Uhr mit interaktiven Displays
Technologie
Zwei separate Multitouch Displays.
Bedienung
Intuitive Gesten, wie man es heute von Multitouch Displays gewohnt ist.
Formgestaltung
Inspiriert von einer auf die Seite gelegte Sanduhr, wobei die 12 Stunden der Nacht weniger Raum in Anspruch nehmen.
Als ich meiner damals noch sehr kleinen Tochter die Uhr zu erklären versuchte, stellte sie mir die Frage: „Warum geht die Uhr an nur einem Tag zweimal herum?“ Die Art, wie sich die Zeiger bewegen, ist in Kinderaugen sehr abstrakt und kompliziert.
Auch der Zeitbegriff selbst machte uns Schwierigkeiten. Wir behalfen uns – wie man es eben tut – mit einfachen Dingen wie: „Noch dreimal schlafen bis…“
Dies inspirierte mich zu einer Uhr, die auch Kleinkinder verstehen.

kinder.Welt
Idea Engineering & interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von 12 Studierenden aus den unterschiedlichen Fachrichtungen Informatik, Computervisualistik, Industriedesign, Sportwissenschaften, Psychologie und Pädagogik waren das Besondere an diesem Gemeinschaftsprojekt der Otto-von Guericke-Universität und der Fachhochschule Magdeburg-Stendal unter der Leitung des Fachbereiches Idea Engineering.
Gemeinsam haben wir verschiedene Kindertagesstätten besucht, darunter auch eine integrative Kita, um Schmerzpunkte, Herausforderungen und Wünsche, sowohl der Kinder als auch der Betreuer zu eruieren, die wir in unsere Ideenentwicklung einfließen ließen. Gerade die unterschiedlichen Blickwinkel und Herangehensweisen unserer jeweiligen Studienrichtungen haben dabei eine einzigartige Zusammenarbeit ermöglicht.

con.Sense
Wege des Wassers
Eine sinn.liche Armatur
Technologie
Wasserhahn mit Sensortechnik.
Bedienung
Intuitive Gesten, dem Fluss des Wassers folgend.
Formgestaltung
Inspiriert von der Natur in Ästhetik, Material und Oberfläche.
Das primäre Ziel des Semester-Projektes „con.Sense“ bestand darin, sich all seiner Sinne bewusst zu werden, über die visuellen Aspekte des Designs hinaus zu denken und in ein buchstäblich sinn.volles Produkt einfließen zu lassen.
Verbunden mit der Neugestaltung eines Wasserhahns entstand eine sinn.liche Armatur, die in Anmutung und Bedienung die Natur des Wassers einfängt.
B.A. Industrial Design – Abschlussarbeit
Medienkompetenz im Grundschulalter
Bachelor Thesis zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Arts (B.A.)
an der Hochschule Magdeburg-Stendal, FB IWID, Institut für Industrial Design
Schwerpunkt: Interface Design
Autorin: Ramona Gläser
Abgabe: 2. Juli 2013
Abschlussnote 1,7

Digitales Lernen war das Herzensthema für meine Bachelor-Thesis im Bereich Interaction-Design: „Medienkompetenz im Grundschulalter“.
Inspiriert hat mich dazu meine Tochter, die zu dem Zeitpunkt die zweite Klasse besuchte. Mein Ziel bestand darin, dass Kinder digitale Medien als Werkzeuge begreifen, mit denen sie ihr in der realen Welt erlangtes Wissen kollaborativ dokumentieren, verarbeiten, teilen, verifizieren und antizipieren können.
Ganz losgelassen hat mich die Arbeit nie und ich denke, sie ist aktueller denn je.
Neugierig geworden?
Dann schau dir meine Projekte an oder schreib mir:
hallo@vision-m.de

In einer zunehmend komplexen Welt ist ganzheitliches Denken unerlässlich. Das gilt nicht nur für den Designprozess und die Zyklen der Produktentwicklung, sondern auch für den gesellschaftlichen Kontext, in den wir unsere Produkte einbetten und ständig weiterentwickeln.
Für den gemeinsamen Erfolg im Produktentwicklungsprozess können die Expertisen involvierter Stakeholder und Spezialisten deshalb nicht hoch genug geschätzt werden.
Es gilt, mit Empathie und Aufgeschlossenheit mit den Menschen zu reden, für die und mit denen wir entwickeln. Alle Blickwinkel und Standpunkte einzubetten, um Ideen & Konzepte zu entwerfen und daraus Innovationen zu gestalten, die uns wirklich weiter bringen.
Gemeinsam.
